NAS Server – Zentraler Netzwerkspeicher

Die Anforderungen an Speicherplatz sind in den letzten Jahren nicht zuletzt durch immer größer werdende Bild- und Video-Dateien auch im privaten Bereich stark gestiegen. Aber auch für Unternehmen bedeuten die zunehmende Digitalisierung und gesetzliche Aufbewahrungsfristen einen größeren Datenspeicherbedarf. Was ein NAS Server ist, wie er bei der Bewältung der zunehmenden Datenmassen helfen kann und worauf man beim Kauf eines NAS bzw. beim Eigenbau achten sollte, klären wir in diesem Beitrag

Zusammenfassung

  1. Was versteht man unter einem NAS Server?
  2. Worauf sollte man beim Kauf eines NAS Servers achten?
  3. Kann man einen NAS Server selbst bauen?
  4. Weitere nützliche Informationen zum Thema: NAS Server

1. Was versteht man unter einem NAS Server?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich zunächst mit der Abkürzung befassen: „NAS“ bedeutet nichts anderes als „Network Attached Storage“. Auf deutsch: Netzwerkspeicher. Es handelt sich also um einen Speicherort innerhalb eines Netzwerkes, auf den zunächst einmal alle Geräte im Netzwerk Zugriff haben. Stellen Sie sich also einen Server vor, der in einem Technikraum steht, auf dessen Festplatten Sie aber mit Ihrem Computer jederzeit zugreifen können, wenn Sie sich im gleichen LAN befinden. Die Festplatte in diesem Server nennt man übrigens Direct Attached Storage, auch DAS.

Um nun auf die Inhalte der einzelnen Festplatten zugreifen zu können, oder darauf abgelegte Dateien zu lesen, muss der Server sogenannte Protokolle beherrschen, die die Kommunikation zwischen Server und Client-Computer regeln. Solche Protokolle wurden früher für verschiedene Betriebssysteme erfunden. Inzwischen sind aber alle System in der Lage, die Protokolle Betriebssystem übergreifend zu verstehen. Zu dem am weitesten verbreiteten Protokollen gehören

Ist auf dem Server also eine Software installiert, die eines der Protokolle beherrscht, können die internen Festplatten des Gerätes über das Netzwerk anderen Computern zur Verfügung gestellt werden, sofern diese das gleiche Protokoll beherrschen. In Netzwerken mit gemischten Betriebssystemen wird für gewöhnlich SMB, auch Samba genannt, eingesetzt, weil es von allen Betriebssystemen standardmäßig beherrscht wird. So ermöglicht ein NAS Server die Speicherung der privaten Filme- und Musik-Sammlung, aller Urlaubsfotos, oder wichtiger Unternehmensdaten mehrerer Jahre.

1.1. NAS Server – Wachsenden Speicherplatz-Bedarf intelligent abdecken

Im häuslichen Gebrauch, aber auch in Büros mit normalen Arbeitsplatzrechnern findet man häufig Desktop-Computer, die für die täglichen Anforderung, also E-Mail, Internet, und die Bearbeitung von Dokumenten ausreichend ausgerüstet sind. Will man hingegen alle Fotos der vergangenen Jahre speichern, oder muss mehrere tausend Dokumente für eine gewisse Zeit aufbewahren, reicht die Festplatte in Notebook oder PC meist nicht mehr aus. Gerade in Firmennetzwerken ist es auch wenig nützlich, wenn jeder Mitarbeiter einen Teil der Unternehmensdaten auf seinem Rechner speichert, die Kollegen darauf aber keinen Zugriff haben. Wo der kürzeste Lösungsweg in Privathaushalten in der Regel der Griff zu einer externen Festplatte ist, deren modernste Exemplare durchaus auch Datenmengen von bis zu 4 Terrabyte speichern können, greifen Unternehmen zu einem zentralen Datenspeicher, also einem NAS.

Jeder, dem schon einmal eine externe Festplatte heruntergefallen ist, weiß allerdings, wie schnell Daten unbrauchbar gemacht werden können. Auch ohne Unfall können, zum Beispiel durch Materialermüdung, nach wenigen Jahren die extern gespeicherten Daten unbrauchbar geworden sein. Deshalb ist ein NAS Server mit redundanter Datenspeicherung auch für private Haushalte eine interessante Alternative.

2. Worauf sollte man beim Kauf eines NAS Servers achten?

Um nicht kurz nach dem Kauf unzufrieden oder gar enttäuscht zu sein, sollten Sie sich über die folgenden Punkte ausreichend Gedanken machen:

  • Marke
    Grundsätzlich spielt es keine Rolle, von welchem Hersteller Sie ein NAS-System kaufen. Achten Sie lieber darauf, dass das Gerät alle Funktionen zur Verfügung stellt, die Sie benötigen.
  • Leistungsfähigkeit
    Abhängig davon, wie viele Benutzer auf Ihren Server zugreifen sollen, sollten Sie sich für ein entsprechend leistungsstarkes System entscheiden. Bei mehreren Benutzern sollten nicht unter 2GB Arbeitsspeicher gewählt werden.
  • Redundanz
    Grundsätzlich gilt: Unter 2 Festplatten sollten Sie nicht über einen Kauf nachdenken. So stellen Sie sicher, dass Ihre Daten beim Ausfall einer Festplatte nicht verloren sind. Abhängig von Ihrem Datenvolumen können auch mehr als 2 Festplatten sinnvoll sein, wenn der gewählte NAS Server zusätzlich RAID-Level mit Paritätsinformationen (zum Beispiel RAID5) beherrscht. Damit sichern Sie Ihre Daten zusätzlich gegen Ausfall ab.
    Die Hersteller sprechen hier meist von sogenannten Bays. Nachfolgend finden Sie eine kurze Übersicht mit Hinweis auf die Eignung für Einsteiger oder Profis.
Festplattenschächte mögliche RAID-Level Hinweise Einsatzbereich
1-Bay-NAS keine schlechte Datensicherheit Einsteiger
2-Bay-NAS RAID0, RAID1 abhängig von Herstellervorgaben Einsteiger
4-Bay-NAS RAID0, RAID1, RAID5, RAID10 abhängig von Herstellervorgaben Fortgeschrittene
4-Bay-NAS RAID0, RAID1, RAID5, RAID10 abhängig von Herstellervorgaben Profis
  • Festplatten-Arten
    Alle gängigen Systeme unterstützen Festplatten mit einem Formfaktor von 2.5” oder 3.5”. Sie sollten aber auf jeden Fall Festplatten kaufen, die für den Dauerbetrieb geeignet sind. Insbesondere die Serie WD Red von Western Digital, oder die NAS HDD von Seagate.
  • Speicherplatz
    Abhängig vom gewünschten Speicherplatz, empfiehlt es sich, direkt mit 3, 4 oder 6 Terrabyte Festplatten zu arbeiten.
  • Anschlüssmöglichkeiten
    Moderne NAS-Systeme stellen nicht mehr nur noch den Speicherplatz zur Verfügung. Auch HDMI-Anschlüsse für den Aschluss an einen Fernseher als Media-Station sind inzwischen möglich. Achten Sie vor dem Kauf unbedingt auf Ihre Ansprüche.
  • Leistungsumfang
    Neben gerade genannter Möglichkeit, ein NAS auch als Media-Station einzusetzen, gibt es inzwischen auch Geräte, die zusätzliche Funktionalitäten wie Virtualisierung, MedienStreaming, VPN und andere Spielereien zur Verfügung stellen. Diese Geräte verfügen meist über wesentlich mehr Arbeitsspeicher und einen leistungsfähigeren Prozessor. Benötigen Sie diese zusätzlichen Fähigkeiten nicht, können Sie getrost auf die meist wesentlich teureren Systeme verzichten und ein kleineres System kaufen.

Eine Zusammenfassung des letzten NAS-Tests durch die Stiftung Warentest finden Sie hier im Office Server Vergleich-Blog.

3. Kann man einen NAS Server selbst bauen?

Grundsätzlich könnte man ein NAS auch aus einem alten PC und einigen Festplatten zusammenbauen.Von diesem Vorhaben ist aber dringend abzuraten. Zwar kann ein ausgedienter Desktop-PC durchaus einen ausreichend schnellen Prozessor und genügend Arbeitsspeicher vorweisen. Die Festplatten in solchen Computern sind aber für gewöhnlich nicht für einen Dauerbetrieb ausgelegt und können deshalb entsprechend schneller Defekte aufweisen. Auch ist das Einrichten eines RAID in der Regel damit nicht möglich, weil die entsprechenden technischen Voraussetzungen fehlen. Dieses sollte aber zur optimalen Datensicherheit und zur Verbesserung der Zugriffszeiten unbedingt eingerichtet werden. Aus diesem Grund ist es auch nicht ratsam, alte Festplatten zu nutzen. Je älter diese werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Defekts. Dies würde den Sinn eines NAS, nämlich Daten sicher auf einem externen Speichermedium zu speichern, entgegenstehen.

Ist man jedoch tatsächlich daran interessiert, kein fertiges NAS zu kaufen, sondern einen NAS Server selbst zu bauen, dann sollte man anhand der im 2. Abschnitt genannten Punkte planen, welche Hardware man benötigt.

Am allerwichtigsten sind in diesem Fall sind dann die Anforderungen und der voraussichtlich benötigte Speicherplatz. In diesen beiden Fällen kann es nämlich mitunter am schwersten werden, bei falsch eingeschätztem Bedarf noch nachzubessern. Wer es dennoch wagen möchte, dem seien die folgenden Geräte wärmstens empfohlen:

Geeignete NAS-Server Hardware

BILD PRODUKT BEWERTUNG BESCHREIBUNG PREIS ANGEBOT
1 HP ProLiant Microserver G1610T Gen8 Produktbild HP ProLiant Microserver G1610T Gen8
Produktbeschreibung › € 216,00 *

* inkl. MwSt. | am 1.02.2016 um 15:00 Uhr aktualisiert

2 HP ProLiant MicroServer G2020T Gen8 Produktbild HP ProLiant MicroServer G2020T Gen8
Produktbeschreibung › € 513,60 *

* inkl. MwSt. | am 1.02.2016 um 15:00 Uhr aktualisiert

4. Weitere nützliche Informationen zum Thema: NAS Server

4.1. Wie wird ein NAS Server in ein Netzwerk eingebunden?

Praktisch: Ein NAS Server dient als zentraler Netzwerkspeicher.

Praktisch: Ein NAS Server dient als zentraler Netzwerkspeicher.

Üblicherweise erfolgt die Einbindung in das Heimnetzwerk über den Anschluss an einen Router, in größeren Netzwerken möglicherweise auch an eine Switch oder Netzwerk-Hub. Hier stehen in der Regel keine weiteren Möglichkeiten zur Auswahl. Je nach Aufbau des Gerätes kann man dann entweder über den Router die IP-Adresse des Gerätes herausfinden, oder – wenn dieser Service installiert ist – über das Bonjour-Protokoll (von Apple), bzw. Avahi-Daemon (Linux) direkt auf das Gerät zugreifen (die gleiche Funktionalität stellen z.B. auch FritzBox (fritz.box) und Speedport (speedport.ip) zur Verfügung.

4.2. Welche Sicherheitsrisiken gibt es bei einem NAS Server?

Abhängig davon, wie ein NAS System genutzt wird und wie der Hersteller des Gerätes die Konfigurationsmöglichkeiten vorgesehen hat, bestehen unterschiedliche Risiken. Hier sollten Sie beispielsweise darauf achten, ob die Möglichkeit besteht, Netzlaufwerke durch Angabe eines Passwortes zu schützen. Soll das NAS hingegen in einem Firmennetzwerk eingebunden werden, wäre es theoretisch auch denkbar, die Zugriffsrechte über eine Windows-Domäne oder ein LDAP-Verzeichnis zu steuern. Diese Funktionalität muss dafür aber durch den Hersteller unterstütz werden. Daneben ist denkbar, dass der Hersteller ein proprietäres System für den Zugriff auf die Daten zur Verfügung stellt.
Möchte man sein NAS direkt im Internet zur Verfügung stellen, gilt es noch einige weitere Risiken zu beachten. So sollte der Datenverkehr ausschließlich über eine verschlüsselte Verbindung (SSL/TLS) erfolgen, um das mitschneiden von Daten durch Dritte zu verhindern. Auch sollte sichergestellt werden, dass ein ausreichend sicheres Passwort verwende wird.

4.3. Gibt es spezielle NAS Festplatten?

Jein. Es gibt zwar Festplatten, die die Bezeichnung „NAS“ im Namen Tragen (zum Beispiel von Seagate), aber grundsätzlich eignen sich alle Festplatten, die für den Dauerbetrieb vorgesehen sind. Ob für die Speicherung der Daten dann SATA- oder SAS-Laufwerke eingesetzt werden (welche schnellere Zugriffszeiten und geringere Fehleranfälligkeit bieten) hängt zum einen vom Gerät und zusätzlich vom Budget ab, dass für einen NAS Server zur Verfügung steht. SAS-Festplatten sind in der Regel erheblich teurer.

4.4. Benötigt man zusätzliche Software?

Grundsätzlich nicht. Ein NAS wird für gewöhnlich durch netzwerkfähige Protokolle verfügbar gemacht, die von den Betriebssystemen eines Computers beherrscht werden. Bei Zugriff per Smartphone oder Tablet kann eine zusätzliche App benötigt werden, um auf die Netzwerkresource zugreifen zu können. Auch der Zugriff über eine spezielle App für den NAS Server ist denkbar.

4.5. Welches Betriebssystem ist am besten für ein NAS geeignet?

Ein wirkliches NAS-Betriebssystem gibt es eigentlich nicht. Viele Systeme beherrschen die benötigten Standards und Protokolle und können somit für den Betrieb als Netzwerkspeicher eingesetzt werden. Die leistungsfähigesten Betriebssysteme hierzu sind Ubuntu Server sowie andere Linux Distributionen wie SUSE oder Debian. Auf Basis dieser Server-Betriebssysteme lassen sich NAS Server mit ausreichender Kenntnis in kurzer Zeit einrichten. Fertige Pakete wie zum Beispiel die auf BSD-basierende open-source NAS-Software freeNAS oder Linux-basierte Komplettlösungen wie OpenMediaVault und Zentyal ermöglichen auch weniger erfahrenen Benutzern, sich ihr eigenes NAS einzurichten. Auch der Microsoft Home Server 2003 eignet sich grundsätzlich für den Betrieb als NAS. Wegen fehlenden Interesses wird dieser von Microsoft aber nicht mehr weiter entwickelt und somit nicht mehr mit Updates versorgt – funktionale wie Sicherheitsupdates.