Den eigenen Minecraft Server installieren

einen eigenen Minecraft Server installieren

Jeder IT-Administrator erinnert sich an seine Anfänge. Bei mir war es ein Raspberry Pi und der Wunsch nach einem eigenen Minecraft Server um mit den Freunden gemeinsam virtuelle Welten zu erschaffen. Mittlerweile administriere ich eigene und fremde Server und kann mich nur dunkel an diese ersten Gehversuche zurück erinnern.

Dieser Artikel ist eine Würdigung an die frühen Anfänge eines jeden Serveradministrators und beschreibt, wie man mit wenig Aufwand einen eigenen Minecraft Server auf einem Raspberry Pi installiert. Neben der reinen Installationsanleitung soll auch das generelle Vorgehen beleuchtet werden, da das gleiche Vorgehen bei jeder Serverapplikation notwendig ist, die über das Internet erreichbar sein soll.

Raspberry Pi mit einem Basissystem

Da der Raspberry Pi nur als Minecraft Server fungieren soll, reicht eine Serverinstallation ohne grafische Benutzeroberfläche. Ich empfehle das „minimale Raspbian“ System der Raspberry Pi Foundation. Um direkt loszulegen könnt Ihr Raspian hier herunterladen. Alternativ kann man auch Minibian verwenden, welches angeblich noch weniger Ressourcen benötigt. Ich persönlich bevorzuge das Original und nehme lieber selbst Optimierungen vor, wenn diese überhaupt benötigt werden.

Bei der Frage nach dem richtigen Raspberry Pi sollte man sich nicht verunsichern lassen. Jeder Raspberry Pi eignet sich als Minecraft Server, wobei bei einem Neukauf natürlich der aktuelle Raspberry Pi 2 gekauft werden sollte. Der Preisunterschied ist zu gering, als dass man anfangen sollte zu überlegen eines der älteren Geräte zu kaufen.

Cuberite: den eigenen Minecraft Server installieren

Ich habe eine klare Präferenz für Cuberite als Grundlage für euren eigenen Minecraft Server. Der Serverdienst arbeitet schnell und zuverlässig, ist in C++ programmiert und wird regelmäßig aktualisiert. Es gibt zwar keinen speziellen ARMv7 Build für den Raspberry Pi 2, jedoch funktioniert der ARMv6 Build perfekt auf allen Geräten.

Nach der Installation des Grundsystems verbindet man sich per SSH mit dem Server und nutzt die folgende Befehle um den Minecraft Server zu installieren. Wenn man nicht vorher in ein anderes Verzeichnis wechselt, erfolgt die Installation im eigenen Homeverzeichnis. Dies ist in Ordnung, jedoch kann man den Serverdienst auch an jeden anderen Ort installieren.


wget http://builds.cuberite.org/job/Cuberite%20Linux%20raspi-armhf%20Master/lastSuccessfulBuild/artifact/Cuberite.tar.gz
tar -xvzf Cuberite.tar.gz
rm Cuberite.tar.gz

Zwei Hinweise:

  1. Wenn Minecraft auf einem normalen Server oder Desktop-Rechner installiert werden soll, darf man natürlich nicht den ARM Build runterladen. Stattdessen lädt man sich die x64 oder x86 Variante herunter.
  2. Auf die gleiche Art werden übrigens auch Updates des Servers durchgeführt. Wichtig ist nur, dass man vorher den existierenden Serverdienst stoppt.

Minecraft Server zum ersten Mal starten.

Nach der erfolgreichen Installation ist der Minecraft Server mit nur zwei Befehlen gestartet. Zuerst wechselt man in das richtige Verzeichnis und dann startet man den Serverdienst.


cd Server
./Cuberite

In den allermeisten Fällen sollte es beim Start keine Probleme geben. Da Cuberite jedoch recht aktuelle C++ Pakete verlangt, kann es auf manchen Linux-Systemen wie z.B. Ubuntu 14.04 zu Problemen kommen. Sollte nach dem Start eine Fehlermeldung kommen, dass libstdc++ fehlt bzw. veraltet ist, dann muss man die glibc Pakete mit den folgenden Befehlen aktualisieren.


sudo add-apt-repository ppa:ubuntu-toolchain-r/test
sudo apt-get update
sudo apt-get upgrade
sudo apt-get install libstdc++6

Der erste Start des Servers kann eine ganze Weile dauern, da die gesamte Welt generiert werden muss. Sobald dieser Vorgang abgeschlossen ist, kann man sich mit einem beliebigen Minecraft Client verbinden. Natürlich funktioniert dies momentan nur aus dem lokalen Netzwerk mit der eigenen IP. Diese erfahrt Ihr übrigens mit dem Befehl „ifconfig“. Um den Prozess und somit auch den Server zu beendet genügt es im Terminal CTRL+C zu drücken.

Basiskonfiguration des Minecraft Servers

Cuberite bringt eine praktische Webadministrationsoberfläche mit, die über den Port 8080 erreicht werden kann. Um diese Administrationsoberfläche nutzen zu können, muss man die webadmin.ini verändern.

Zuerst öffnet man die webadmin.ini Konfigurationsdatei mit dem folgenden Befehl.

nano webadmin.ini

Den folgenden Abschnitt

; [User:admin]
; Password=admin

ersetzt man mit den folgenden Inhalten. Das Passwort und der Benutzername können beliebig gewählt werden.


[User:admin]
Password=beliebigesNeuesPasswort

Nun kann der Server neu gestartet werden und über http://IP-DES-SERVERS:8080 kann man den eigenen Minecraft Server administrieren. Der Login funktioniert mit den Zugangsdaten, die man kurz zuvor in der webadmin.ini festgelegt hat.

Zur Steigerung der Performance empfiehlt es sich unter Server Settings > Default ViewDistance den Wert von 10 auf 7 herabzusetzen.

Eine weitere wichtige Einstellung ist der Schwierigkeitsgrad der Welt. Diesen findet man unter Server Settings > World > General > Default GameMode. Zur Auswahl stehen die folgenden Schwierigkeitsgrade:

  • survival: man startet mit leerem Inventar. Ziel ist es zu überleben
  • creative: man kann nicht sterben und hat unendliche Ressourcen
  • adventure: wie survival, jedoch optimal um eigene Welten an andere Personen weiterzugeben
  • spectator: Zuschauermodus in dem nicht selbst gespielt werden kann

Den eigenen Minecraft Server automatisch beim Hochfahren des Servers starten

Mit der bisherigen Konfiguration muss man den Server immer manuell über die Kommandozeile starten und sobald das Terminal geschlossen wird, ist auch der Minecraft Server geschlossen. Dies ist natürlich sehr unbequem, da man ja keinen Monitor sowie Tastatur und Maus am Server angeschlossen lassen will. Deshalb sollte man dafür sorgen, dass der Serverdienst von Minecraft automatisch beim Hochfahren gestartet wird.
Dies ist ganz einfach, wenn man weiß, wie es geht.

Bisher war es so, dass Minecraft über das Terminal gestartet wurde. Das Terminal bleibt konstant aktiv und man kann das Fenster nicht schließen ohne den Dienst zu beenden.
Abhilfe schafft an dieser Stelle die Software screen, mit man den Serverdienst im Hintergrund weiterlaufen lassen kann und man danach einfach das Terminal schließen kann. Um Screen zu installieren reicht es den folgenden Befehl einzutippen und auszuführen.


sudo apt-get install screen

Danach kann man schon testen, ob der Serverdienst gestartet und danach das Terminalfenster geschlossen werden kann, ohne dass der Dienst beendet wird. Mit dem folgenden Befehl wird der Dienst mit Hilfe von screen gestartet.


screen -dmS minecraft ~/Server/Cuberite

Als Nächstes kann man mit top prüfen, ob Minecraft noch läuft. Mit dem Befehl screen -r springt man wieder zum aktiven Minecraft Prozess und mit STRG+A und STRG+D verlässt man diesen wieder. Screen bietet noch weitere Funktionen, welche mit Hilfe der Hilfefunktion, den Manpages oder der Webseite erkundet werden kann.

Als nächsten Schritt wollen wir, dass Minecraft nach dem Hochfahren gestartet wird. Dazu reicht ein Befehl in der entsprechenden Datei. Zuerst öffnen wir die /etc/rc.local mit folgendem Befehl.


sudo nano /etc/rc.local

Am Ende dieser Datei aber vor dem abschließenden exit 0 fügen wir den bereits bekannten Befehl ein:


screen -dmS minecraft ~/Server/Cuberite

Wenn der Server nun neu gestartet wird, wird automatisch Minecraft im Hintergrund gestartet.

Portweiterleitung zur Absicherung des Minecraft Servers

Mittlerweile ist Minecraft für das lokale Netzwerk eingerichtet und wird automatisch gestartet. Zum Abschluß soll nun eine Portweiterleitung für Minecraft eingerichtet werden, damit man auch über das Internet mit seinen Freunden spielen kann. Im Router muss hierfür die Ports 8080 und 25565 auf die IP-Adresse des Raspberry Pi Servers eingerichtet wird. Da dies bei jedem Router – sei es eine Fritzbox oder ein Speedport – ein bisschen anders ist, empfehle ich euch eine Google Suche mit den Suchbegriffen Portweiterleitung NAME EURES ROUTERS. Mit Sicherheit werdet Ihr eine Anleitung findet, wir Ihr die entsprechende Portweiterleitung einrichten könnt.

Bitte bedenkt, dass die Freigabe von Ports ins Internet ein gewisses Sicherheitsrisiko darstellt. Deswegen lasst euren Server nicht wochenlang unbeaufsichtigt laufen, sondern startet diesen nur bei Bedarf bzw. entfernt die Portweiterleitung, wenn Ihr diese nicht mehr benötigt.


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